PresseinformationEN zur Veranstaltung Deutscher Kurzfilmpreis 2020

Deutscher Kurzfilmpreis 2020

Der Deutsche Kurzfilmpreis ist die wichtigste Auszeichnung für den Kurzfilm in Deutschland.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Prof. Monika Grütters, zeichnete im Rahmen einer feierlichen, virtuellen Verleihung am 25. November 2020 aus dem Kino International die diesjährigen Preisträger*innen für herausragende Leistungen bei der Produktion von Kurzfilmen aus. 
Der Deutsche Kurzfilmpreis wurde 2020 von der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ausgerichtet.

Bilder für redaktionelle Zwecke nutzbar unter Angabe des Copyrights:
Deutscher Kurzfilmpreis / Christian Schulz, Download Druck- und Online-Auflösung hier

Alle Informationen über den Deutschen Kurzfilmpreis, die Jury und das Vergabeverfahren finden Sie auf der offiziellen Webseite der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien: 

die Aufzeichnung der Verleihung

Pressekontakt:

Jutta Heyn
030 – 403611372
Jutta.Heyn@lilie2a-pr.de

Zusätzliche Informationen rund um die Verleihung stellen wir Ihnen hier bereit. Sie können die jeweiligen Informationen durch einen Klick auf die Überschrift ausklappen:

Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ist eine der angesehensten Filmschulen Europas. Seit der Gründung im Jahre 1966 dient sie stets neuen und prägenden Stimmen in Film und Fernsehen als Ausbildungsstätte
und Produktionsatelier. Offen für Studierende, Dozierende, kulturelle Einflüsse, Techniken und aufstrebende Plattformen aus der ganzen Welt, zeichnet sich das Studienprogramm der DFFB durch einen intensiven und kollaborativen Anspruch aus. Dabei konzentriert sich die Akademie auf die grundlegenden Gewerke des Filmemachens und bietet Spezialisierungen in den Bereichen Regie, Bildgestaltung/Kamera,Produktion, Drehbuch sowie Montage Bild & Ton. Jedes Jahr reisen die Filme der DFFB zu rund 200 Filmfestivals weltweit. Darüber hinaus bietet die Akademie mit ihren international ausgerichteten Programmen Serial Eyes, Next Wave und dem Filmnetzwerk Berlin attraktive Ausbildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten.

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Foto (c) Lisa Winter/ DFFB

Tim Oliver Schultz wurde 1988 in Berlin geboren. Mit bereits elf Jahren wurde sein Schauspieltalent entdeckt.
Seither war er nicht nur an einer Vielzahl an TV- und Kinoproduktionen beteiligt, sondern wurde unter anderem für die Serie CLUB DER ROTEN BÄNDER mit dem Grimme Preis, dem Fernsehpreis und dem New Faces Award ausgezeichnet.
In diesem Jahr feierte er mit dem Netflix-Film FREAKS einen großen Erfolg und stand für die TV-Reihe VÄTER, den Kinofilm DER JUNGE HÄUPTLING WINNETOU und den historischen Fernsehfilm GOLDJUNGS vor der Kamera. 2019 schloss Tim sein Studium der Filmproduktion an der DFFB in Berlin ab.

Filmographie (Auswahl)

2020       Goldjungs (TV-Film)
2020       Der junge Häuptling Winnetou (Kino)
2020       Hello Again (Kino)
2019       Freaks – Du bist eine von uns (Netflix-Film)
2019-2020  Väter allein zu Haus (TV Reihe)
2018       Club der roten Bänder – Wie alles begann (Kino)
2017       Heilstätten (Kino)
2017       Song für Mia (TV-Film)
2015-2017  Club der roten Bänder (TV-Serie)

Tim Oliver Schultz - Moderator Deutscher Kurzfilmpreis 2020

Foto (c) Puria Safary

Moritz Krämer und Francesco Wilking sind DIE HÖCHSTE EISENBAHN. Sie sind musikalische Geschichtenerzähler mit filmischem Background: Francesco Wilking komponiert für TV Formate, Moritz Krämer hat an der DFFB Regie studiert und daher einen besonderen Bezug zu Kurzfilmen. Alles ist verloren, alles ist in Ordnung… Wie alles funkelt und glänzt. Wir lernen uns gerade erst kennen… Alles hier ist aufregend und neu. – Die höchste Eisenbahn
Die Höchste Eisenbahn_Foto_800px

Foto (c) DIE HÖCHSTE EISENBAHN

Das zwei Jahre nach dem Mauerbau eröffnete KINO INTERNATIONAL war schon immer Avantgarde und ein Liebling der Filmschaffenden. Das einstige DEFA-Premierenhaus ist bis heute eines der wichtigsten Uraufführungskinos in Berlin und seit 1990 jährlich Spielort der Berlinale. Legendär ist das Filmtheater auch dank seines eleganten 60er Jahre Interieurs, einem perfekt proportionierten Kinosaal und der Panoramabar mit ihrer atemberaubenden Aussicht auf die einstige Prachtstraße Ostberlins.
Kino International

Foto: (c) Yorck Kinogruppe, Daniel Horn

Die Geschichte des KINO INTERNATIONAL ist selbst einen Film wert. Darin würde zum Beispiel erzählt, wie am 9. November 1989 Heiner Carows „Coming Out“ Premiere feiert – eine Sensation, denn nie zuvor war in der DDR ein Kinofilm über Homosexualität gezeigt worden. Der Filmtitel sollte in derselben Nacht Programm für das Schicksal einer ganzen Nation werden: Als der Vorhang fiel, war auch die Berliner Mauer gestürzt. Das KI war und ist nicht nur eines der bedeutendsten Berliner Kinos, es gehört darüber hinaus zu den architektonischen Kronjuwelen der Stadt. Das heute denkmalgeschützte Gebäude wurde 1963 als multifunktionale Kulturstätte eröffnet. Unzählige DEFA-Premieren wurden hier gefeiert, festliche Bälle und Bankette fanden hier statt. Der Mauerfall tat seiner Bedeutung keinen Abbruch: Schon 1990, noch vor der offiziellen Auflösung der DDR, erhält das Kino International die Weihen zur festen Berlinale-Spielstätte. Jahrelang wird hier im Rahmen der Berlinale der Goldene Ehrenbär verliehen und regelmäßig die Russische und die Französische Filmwoche eröffnet. Den Rest des Jahres sieht man hier europäische Filmkunst und Indie-Produktionen aus aller Welt, abends auch in Originalversion. Daneben gibt es viele Sonderveranstaltungen rund um die Fashion Week und das Gallery Weekend sowie radioeins Berlin-Premieren oder KiK (Kunst im Kino International). Deutsche und internationale Filmpremieren locken hochkarätige Gäste wie Tilda Swinton, Sophia Loren, Patti Smith, Hanna Schygulla, Wim Wenders, Steven Soderbergh, Robert Redford oder Steven Spielberg in das Haus. Was gibt es noch? Jeden Montag abend trifft sich hier die schwul-lesbische Community zur Filmreihe MonGay. Da ist es nur konsequent, dass die Berlinale ihr „Panorama“-Programm alljährlich hier zeigt. Und draußen, an der Fassade, grüßt die Besucher schon aus der Ferne ein wunderschöner Anachronismus: Handgemalte Kinoplakate, zeitlos und einzigartig – wie die Kinodiva selbst.

BUNDESREGIERUNG FÜR KULTUR UND MEDIEN
Referat K35
Sebastian Schmidt
Tel.: 0228/99 681136 72
E-Mail: K35@bkm.bund.de
Webseite: www.deutscher-kurzfilmpreis.de

KOOPERATIONS-Filmhochschule DFFB
Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Nicole Haufe
Tel.: +49- 30 257 59 239
E-Mail: n.haufe@dffb.de
Webseite: www.dffb.de

MODERATOR
.martensgarten media GmbH
Lilian Pürthner
Max-Beer-Str. 29
10119 Berlin
Tel.: +49- 30 8964 7794 
E-Mail: timoliverschultz@martensgarten.com

EVENTPLANUNG
maz&movie
Tobias Schmidt
Tel.: +49- 30 70 76 08 27
E-Mail: Tobias.Schmidt@maz-movie.de
Webseite: www.maz-movie.com

PR-AGENTUR + AKKREDITIERUNG PRESSELOUNGE
Lilie2A PR
Petra Schuchow & Jutta Heyn
Tel.: +49- 30 403 611 37-0
E-Mail: info@lilie2a-pr.de
Webseite: www.lilie2a-pr.de

DIe AUSGEZEICHNETEN Kurzfilme

Für den DEUTSCHEN KURZFILMPREIS 2020 wurden von den Auswahlkommissionen für den Bereich Spielfilm sowie für den Bereich Animations-, Experimental-, Dokumentarfilm und Sonderpreis aus 254 wettbewerbsfähigen Filmeinreichungen insgesamt 12 Filme für eine Nominierung vorgeschlagen.  
Hier folgen die ausgezeichneten Kurzfilme in den jeweiligen Kategorien. Zudem wurde in diesem Jahr ein Sonderpreis für Filme mit einer Laufzeit von mehr als 30 Minuten bis 78 Minuten verliehen.

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MEETING

3 Minuten vor dem Onlinemeeting: Der Einstiegs-Gag ist wohl überlegt, die Flasche in der Unterhose sitzt fest und die Internetverbindung ist Premium – ist das unsere neue Normalität?

Meeting - Filmstill 1

Herstellung: Jannis Alexander Kiefer
Federführung Produktion: Jannis Alexander Kiefer
Regie: Jannis Alexander Kiefer
Drehbuch: Jannis Alexander Kiefer
Laufzeit: 9 min

Jurybegründung: Im weltweiten Jahr des Homeoffice setzt Jannis Alexander Kiefer dem Zoom-Meeting das Krönchen auf: schmissige Dialoge mit komödiantisch perfektem Timing, gespielt von einem Ensemble, das nicht besser besetzt sein könnte. MEETING – ein scheinbar flott hingeworfener, jedoch handwerklich in jeder Hinsicht brillant gemachter Film, der wunderbar vor Augen führt, dass für die dümpelnden Männerbündeleien das letzte Stündlein geschlagen hat und der pragmatisch-konstruktive Arbeitsethos ab jetzt die Führung übernimmt. 

Kurzinterview Jannis Alexander Kiefer

Wenn ich ehrlich bin, bin ich erstmal ein wenig überfordert. Natürlich im positiven Sinn. Es ist aber so absurd vor einem Laptop zu sitzen, wie man das sei Monaten eh die ganze Zeit macht, und das so eine Normalität bekommen hat. Aber natürlich ist der Gewinn einer Lola alles andere als normal.
Ich bin im positiven Sinn überfordert und dann bin ich mit ein, zwei virtuellen Gästen durch den Raum gesprungen, wir hatten aber nix in der Hand und das war dann wieder etwas eigenartig. Es ist schön!

Ich habe mich auf jeden Fall entschieden einen Kurzfilm zu machen, bei dem die Leute mitmachen können, die auch bezahlt werden. Das ist etwas, mit dem ich sehr hadere. Ich habe schon viele kleine Low-Low oder No-No-Budget-Projekte gemacht und ich bin es ein bisschen leid, immer die Leute zu überreden, unentgeltlich mitzumachen. Ich werde auf keinen Fall damit ein gigantisch großes Projekt lostreten, sondern möchte gerne was Kleines machen, mit Leuten, die ich mag, die dann dafür auch entlohnt werden. Ich glaube, dass ist das größte Problem beim deutschen Kurzfilm, dass da letztendlich meist Selbstausbeutung stattfindet. Auch wenn wir dahinterstehen, auch wenn wir es mögen, und total glücklich sind, dass wir die Filme drehen können, wir sind professionelle Leute. In meinem Team sind alle professionelle Schauspieler und das kleine Team auch, es ist am Ende so, dass wir die Kurzfilme machen und dabei draufzahlen. Damit hadere ich ein wenig und hoffe, dass wir das Geld in einen Film investieren können, bei dem dann alles ein bisschen professioneller ist. 

Ich habe den Kurzfilm als Möglichkeit des filmischen Ausprobierens kennengelernt. Ich habe auch wirklich schlechte Kurzfilme gemacht, die niemand zu sehen bekommt und das waren meine kleinen Übungen. Aber ich finde es wichtig, den Kurzfilm als eigenständiges Genre zu begreifen und ich möchte damit auch ein Publikum erreichen. Wenn ich jetzt sagen würde, ich möchte mich damit nur ausprobieren, dann ist das sehr egoistisch, denn wenn ich bei einem Film 30 Leute habe, die tagelang für mich arbeiten, dann mach ich das nicht nur, damit ich mich ausgelebt habe. Wir wollen am Ende einen Film in der Hand haben, auf den wir stolz sind. Ich wünsche mir auch, dass viele Leute die Kurzfilme sehen, denn meistens ist es so, dass auch Leute, die sich nicht für Kurzfilm interessieren, begeistert sind, sobald man ihnen welche zeigt. Der Kurzfilm ist leider einfach zu wenig sichtbar. Für mich ist er auf jeden Fall eine für sich stehende Kunstform, die ich gar nicht so vom Langfilm distanzieren möchte. Es ist ein Film – am Ende ist ein Film.

Land of Glory

Inmitten des Durcheinanders, ausgelöst vom Besuch des Premierministers an einer durchschnittlichen Schule in Ungarn, sieht sich die Schülerin Márti mit einem moralischen Dilemma konfrontiert.

Herstellung: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Federführung Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Regie: Borbála Nagy
Drehbuch: Borbála Nagy, Judit Anna Bánházi
Laufzeit: 27 min

Jurybegründung: Eine überdimensionierte Festtorte in Form des ungarischen Staates wird geschmückt. Paprika und Salami finden ihren Platz, doch der Balaton ist noch etwas zu klein geraten. Das geschäftige Treiben in einer Schule nimmt zu, um den Premierminister zu empfangen. Während die emsige Schulsekretärin versucht, alles zu organisieren und unter Kontrolle zu halten, zeigt sich in Person des überflüssigen Direktors das unmissverständliche Bild zerfallender patriarchaler Strukturen.  

Durch den gut dosierten Einsatz von plakativen Symbolen, bildlichen Metaphern und versteckter Ironie zeichnet die Regisseurin ein markantes Gesellschaftsbild. Mit feinem Gespür für Authentizität und mehrschichtige Erzählstrukturen führt sie ihre Hauptdarstellerin, die Schülerin Márti, zum Aufbegehren. 

Der Film gleicht einer Parabel, die brennende Themen unserer Zeit neu verhandelt. Dabei vermag es Borbála Nagy, das vordergründig karikierte Geschehen in eine europäische Dimension zu übertragen. Ein großartiger Kurzfilm mit klaren Bekenntnissen für Aufrichtigkeit und Zivilcourage! 

Kurzinterview Borbála Nagy

Ich hatte Herzkopfen. Ich konnte gar nicht aufpassen und muss mir die Laudatio noch mal durchlesen. Ich bin super happy!

Ich schreibe gerade das Drehbuch von meinem ersten langen Spielfilm und wir nehmen jetzt an einem Entwicklungsprogramm in Ungarn teil, bei dem letztendlich fünf Projekte gefördert werden. Die Entscheidung fällt im Mai 2021 und ich würde das Geld in dieses neue Projekt stecken.

Natürlich sammelt man beim Kurzfilm Erfahrungen. Aber das macht man bei jedem Projekt. Es ist immer eine neue Geschichte, ein neuer Cast, ein neues Team. Nur weil ein Film kürzer ist, bedeutet es nicht, dass er kleiner ist. Der Aufwand bei Kurzfilmen ist nicht unbedingt kleiner und auch ein Kurzfilm kann auch sehr komplex sein.

Der natürliche Tod der Maus

Anna im Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach Selbstverbesserung in einem spirituell-moralischen Sinn und dem Zweifel an ihrer Nützlichkeit auf dem Weg zur Rettung der Welt.

Der natürliche Tod der Maus - Filmstill 1

Herstellung: Katharina Huber
Federführung Produktion: Katharina Huber
Regie: Katharina Huber
Drehbuch: Katharina Huber
Laufzeit: 22 min

Jurybegründung: Die Plastikmüllberge wachsen, das Klima kollabiert, unsere Bananen sind mit Pestiziden verseucht, dazu im Umfeld der ständige Druck, dem sozial Normierten zu entsprechen – und dann tötet unsere Katze auch noch vor unseren Augen eine unschuldige Maus. »Es tut mir alles so leid«, seufzt die Protagonistin und schaut dabei verträumt von ihrem gemütlichen Sofa. Wie geht das, ein gutes Leben zu führen im Angesicht des Leids? Vielleicht mit Träumen. Träumen, in denen nervigen Leuten einfach der Kopf abfällt. Mit der bitterbösen Animation DER NATÜRLICHE TOD DER MAUS entblößt Katharina Huber eine Gesellschaft, die im tagtäglichen Widerspruch vom gleichzeitigen Streben nach Weltverbesserung und Selbstverwirklichung so langsam moralisch verhärmt. Konsequent und enorm präzise in Text und Ton entwickelt ihre Zeichen- und Collagetechnik im Zusammenspiel mit einer herausragenden Soundebene einen unwiderstehlichen Sog mitten hinein ins Zentrum unserer aktuellen Befindlichkeit.  

Kurzinterview Katharina Huber

Es ist schön, die Nominierung war ja schon großartig. Es ist, wie auch bei allen anderen, eine Bestätigung der Arbeit. Man arbeitet ja so lange an einem Film und in der Animation meistens allein. Man weiß dann ja nicht, wie das dann ankommt und wie das wahrgenommen wird. Deshalb ist so ein Preis sehr angenehm und vor allem sehr motivierend weiterzumachen und neue Projekte anzugehen. Ansonsten hat das Ganze durch die aktuelle Situation auch etwas Ungreifbares. Es ist ein Gefühl der Freude, aber es noch nicht so real. Es hat noch was Virtuelles.

Es bedeutet erstmal: Es kann weitergehen. Tatsächlich bereite ich gerade einen Dreh vor, diesmal mit realen Menschen. Ich werde dabei wieder von der Film- und Medienstiftung NRW unterstützt. Und der Preis spornt dich dabei sehr an.

Beim Kurzfilm sind es oft Versuche, es ist mehr machbar, man kann mehr ausprobieren. Man ist viel unabhängiger, weil der Rahmen kleiner ist und es steht nicht so viel auf dem Spiel, das sehe ich als Vorteil. Man muss nicht immer so konsequent mit allem sein und hat vielleicht mehr Freiheit. Beim Kurzfilm muss alles komprimierter erzählt werden, was ein Vor-, aber auch ein Nachteil sein kann.

UNTITLED SEQUENCE OF GAPS

Das nicht sichtbare Lichtspektrum als Mittel zur Annäherung an traumabedingten Gedächtnisverlust. Gewalt und ihre Mechanismen, Klasse und Queerness werden nicht mittels Repräsentation, sondern von innen heraus betrachtet.

Herstellung: Vika Kirchenbauer
Federführung Produktion: Vika Kirchenbauer
Regie: Vika Kirchenbauer
Drehbuch: Vika Kirchenbauer
Laufzeit: 13 min

Jurybegründung: Das, was erinnert wird, verschwindet nicht. Aber auch das scheinbar Vergessene und Verdrängte schreibt sich in die Körper ein. Vika Kirchenbauer schichtet den Haufen an verbliebenen Schattenbildern neu; ein vages Bild einer brüchigen Identität zeichnet sich ab. Geformt durch die Angst vor Schamerlebnissen und den Zwang zur Konformität. Subtilen Formen der Gewalt fehlt ein visuelles Äquivalent. Ihre Spuren verlieren sich an den Rändern des sichtbaren Spektrums, dort, wo ultraviolettes und infrarotes Licht einsetzt. Von außen nicht wahrnehmbar, gleitet der filmische Blick auf die eigene, heimliche Wunde. Die zugehörige, längst fremdgewordene Biografie speist sich aus Erinnerungen, aber mehr noch aus dessen Verlust. Vika Kirchenbauers beeindruckender Essayfilm breitet sich multiperspektivisch aus wie ein unterirdisches Wurzelgeflecht – zwischen fragiler Subjektivität und Lichttheorie, zwischen Heimat und Hexenverbrennung, zwischen Sonnenfinsternis und Fastnacht. 

Kurzinterview Vika Kirchenbauer

Ich freu mich sehr und finde es unglaublich. Ich hatte das überhaupt nicht erwartet. Das ist ja nur eine kleine Produktion, ein Film mit einem Budget von 2000 Euro.

Ich bereite gerade eine größere Einzelausstellung und ein neues Videoprojekt vor. Ich hatte Projekte geplant, die mit Reisen zusammenhängen, das ist ja im Moment gar nicht möglich. Ich weiß also noch nicht so konkret, wie ich das Preisgeld nutzen werde, mal schauen.

Es ist keine Übungsplattform, ich bewege mich in diesem Genre seit ca. 15 Jahren und habe keine Ambitionen in der Filmwelt zu arbeiten. Ich bewege mich mehr in der Kunst und für mich ist der Kurzfilm eine Kunstform, die einfach die Länge hat, die sie hat. Ich sehe den Kurzfilm nicht in Relation zum Langfilm.

Alturas

Fragmente des Lebens der peruanischen Familie Elisa Taboadas 3.600m über dem Meeresspiegel. Das Land ist trocken, es gibt kaum Wasser. Was kann hier wachsen?

Alturas - Filmstill 1

Herstellung: Roxana Reiss mit Ohne Falsch Film 
Federführung Produktion: Roxana Reiss, Marian Freistühler
Regie: Roxana Reiss
Drehbuch: Roxana Reiss
Laufzeit: 30 min

Jurybegründung: Eine direkte Kraft geht aus von den ersten Bildern und erstreckt sich über die ganze wunderbare Länge von 30 Minuten. Wir sind in den Bergen, in den Anden, in Peru. Gemeinsam mit der Protagonistin Elisa Taboada, Kandidatin einer politischen Kampagne. Die Filmemacherin Roxana Reiss begleitet Elisa Taboada in ihrem Alltag. Licht, Bewegung, Gespräch, Geste, ein Lachen – alles ist gleichberechtigt, formal wie inhaltlich. Der Fokus der Betrachtung liegt in den kleinen Dingen, den Gesten des Alltags. Das Erleben in diesem sensiblen dokumentarischen Film liegt in der direkten Körperlichkeit der Kameraarbeit und Montage. Sensibel und eigenwillig ist das Zusammenspiel der beiden. Zugleich im Stil des Direct Cinema und mit der Haltung des Cinéma vérité – Regie, Kamera und Schnitt liegen in Roxana Reiss‘ Hand. So ist ein sinnlicher Film auf 16mm entstanden, der jenseits von Klischees der Wirklichkeit der indigenen Gemeinde eine Stimme und einen Körper gibt: eine »Echo Chamber«. Von den Höhen, den Alturas – ein Film, der nachhallt. Präzision. 

Kurzinterview Roxana Reiss und Marian Freistühler

Roxana: Ja, also, ich checks halt auch noch nicht so ganz. Allein das mit der Nominierung war schon so komisch auf so eine Art und Weise, dass ich dachte „Seid ihr euch sicher, dass es der Film ist? Meint ihr wirklich diesen Film? Das ist einfach total krass und schön, auch diese schönen Worte zu hören über den Film, das berührt einen überall, es ist total schön.

Marian: Ich bin begeistert, wir ihr das alle geschafft habt, trotz der zurzeit sehr widrigen Umstände ein Ereignis zu kreieren, dass sich doch wie eine Feier anfühlt. Und wir lernen Leute kennen und feiern gemeinsam, das ist wirklich besonders. Dass ihr diese Gelegenheit nutzt, den Kurzfilm weiter groß zu machen, dass ist fantastisch und ich fand fast alle Jury-Begründungen toll. Also die Wertschätzung so nach draußen zu transportieren, obwohl wir jetzt nicht persönlich in Berlin sein konnten, das war sehr schön. Danke dafür.

Roxana: Wir haben noch keine Pläne gemacht. Wir befinden uns auch gerade in unterschiedlichen Ländern. Ich bin in Kopenhagen in Dänemark, wo ich Kamera studiere an der Filmhochschule und das mache ich jetzt auch noch zweieinhalb Jahre. Deshalb ist der Fokus im Moment auch auf der Kameraarbeit bei mir. Und danach mal schauen. Ich will auf jeden Fall weiter Dokumentarfilme machen und das Geld wird auch sicher für irgendwas in diese Richtung genutzt. Wir haben uns aber noch keine Gedanken darüber gemacht.

Marian: Was ihr heute gemacht habt, ist eine lange Zusammenarbeit zwischen Roxy und mir ganz schön zu krönen, weil wir lang an der HFBK in Hamburg studiert und viele Filme zusammen gemacht haben und das ist jetzt ein schöner temporärer Schlusspunkt. Wir wollen natürlich weiter zusammenarbeiten, aber das ist jetzt erstmal eine kleine Zäsur auch aufgrund der räumlichen Distanz. Mit der Produktionsfirma Ohne Falsch Film machen wir aber auch fleißig weiter und arbeiten jetzt ab Januar auch zum ersten Mal an einer Serie, für die wir im letzten Sommer Förderung vom Medienboard bekommen haben. Wir wollen auch weiterhin kleine Filme und Kurzfilme machen und dafür ist der Preis natürlich eine tolle Unterstützung.

Marian: Es ist auf gar keinen Fall nur eine Übung. Es ist auf jeden Fall eine eigene Form, die sehr wertvoll ist. Es ist wichtig, zu sagen, dass man nicht das Gefühl hat, dass Kurzfilme eigentlich Filme sind, die Langfilme sein wollen, denn kann man ganz eigene Dinge forcieren in Kurzfilmen. Ich bin auch beim Kurzfilmfestival Hamburg beteiligt und was wir da jedes Jahr sehen dürfen ist wirklich fantastisch, das ist eine Vielfalt, die im Langfilm nicht so einfach zu finden ist. Diese sehr individuellen Handschriften und Ausdrucksformen, es ist toll, das zu beobachten.
Sonderpreis Deutscher Kurzfilmpreis

Maman Maman Maman

Die halbkriminelle Überführung der verstorbenen Großmutter von Riedlingen via Paris (inklusive Bustour und Seine-Rundfahrt) in die französische Provinz war für Lucia M. Bauer Ausgangspunkt für die Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Wie selbstverständlich begibt sie sich auf den Weg, nicht ohne an der einen oder anderen Abzweigungen hängen zu bleiben.

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Herstellung: joon film
Federführung Produktion: Ann Carolin Renninger
Regie: Lucia Margarita Bauer
Drehbuch: Lucia Margarita Bauer
Laufzeit: 37 min

Jurybegründung: Ein Film ist eine Reise. Ein Leben ist eine Reise. Wenn das Leben endet, beginnt der Film, und die Absurditäten des Abschiednehmens werden zu einer Geschichte, die den Humor in allem Ernst ernstnimmt. Lucia Margarita Bauer nimmt die eigene Familie zum Anlass, um durch das Verfahren der Sammlung und des Kaleidoskops, der Ordnung und dem Spiel den Geschichten ihrer Familie Dame zu werden. Wer steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, und welche Kraft haben die Sterne, wenn ihre Energie sie sprengt? Maman Maman Maman ist eine kraftvolle Suggestion vom Leben, umgesetzt mit den cinematographischen Mitteln der Lust – keine Regel gilt, alles ist möglich. Das Leben ist ein Fest. Der Tod ein wunderbarer Teil davon. Ein Album wird zum Leben erweckt. Die Künstlerin Lucia Margarita Bauer konstruiert ihren eigenen Ablauf der Geschichte durch die Dekonstruktion und Neuorganisation von Ereignissen und Objekten. Sie gestaltet die Hierarchie der Bedeutungen. Maman Maman Maman ist eine mögliche zeitgenössische Antwort auf die Suche nach Autonomie. 

Kurzinterview Ann Carolin Renninger

Das ist was ganz Besonderes. Mir war gar nicht so richtig klar, dass es den Preis gibt und dass es den auch nicht jedes Jahr gibt. Unser Film liegt ja dazwischen, er ist zwischen Kurz- und Langfilm, liegt zwischen den verschiedenen Genres und Macharten und es ist ja gar nicht so einfach, Sichtbarkeit dafür zu bekommen. Dass der Film jetzt beim Sonderpreis einen Ort bekommen hat, das ist natürlich etwas ganz Einzigartiges.

Ich will definitiv mit dem Geld weiter mit Lucia arbeiten. Wir sind tatsächlich schon dabei, ihren dritten Film zu machen, den wir auch schon finanziert haben. Wir stecken mittendrin und die Filme gehören auch zusammen. Es sind Puzzlestücke oder Waggons in einer Reihe. Und dieses Preisgeld, dass wir bekommen haben, werden wir natürlich für den vierten Teil verwenden.

Tatsächlich mache ich keine große Unterscheidung zwischen Kurz- und Langfilm. Ich bin nicht den klassischen Weg gegangen, dass ich mit Kurzfilmen begonnen habe, die dann das Sprungbrett zum Langfilm waren. Ich habe immer Projekte gemacht, bei denen es offenblieb, wie die Länge sein würde. Das liegt auch daran, dass wir immer frei produziert haben, dass wir keine Förderung und Sender hatten, die festgelegt haben, wo wir landen sollen. Und deshalb ist ja auch bezeichnend, dass Lucias letzter Film 34 Minuten hatte und dieser jetzt 37 und das ist eigentlich eine Länge, die für einen Produzenten inakzeptabel ist, denn es gibt keine Kategorie dafür. Kurzfilm an und für sich ist natürlich etwas ganz Besonderes und nicht vergleichbar mit Langfilm, weil man viel mehr in kurzer Zeit auf den Punkt bringen muss. Deshalb denke, ich, dass ist schon mehr als nur eine Übung, es ist wirklich ein Genre für sich. Aber ich selbst habe nicht so eine Beziehung zum Kurzfilm wie manche andere hier.

weiterer Nominierter Film der Kategorie Spielfilm bis 10 Minuten Laufzeit

In den Binsen - Filmstill 1

IN DEN BINSEN

Der 17-jährige Christoph versucht seiner Mutter beizubringen, dass er auf Männer steht, während sie bei der Hirschjagd sind.

Herstellung: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin mit Südwestrundfunk und Arte
Federführung Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Regie: Clara Zoe My-Linh von Arnim
Drehbuch: Andreas Kouba
Laufzeit: 6 min

weitere Nominierte Filme der Kategorie Spielfilm von Mehr als 10 Minuten bis 30 Minuten Laufzeit

Berzah - Filmstill 1

BERZAH

Drei kurze Geschichten über die Ohnmacht mehrerer Figuren, die an einem heißen Tag an der türkischen Ägäis der irdischen Hölle ausgesetzt sind.

Herstellung: filmfaust GmbH mit Deren Ercenk und der Kunsthochschule für Medien Köln
Federführung Produktion: Claus Reichel, Mehmet Akif Büyükatalay, Bastian Klügel
Regie: Deren Ercenk
Drehbuch: Deren Ercenk
Laufzeit: 26 min

FAVORITEN

Nach einem Streit mit ihrer Mutter will Sofia nach Italien autostoppen, um dort ihren leiblichen Vater zu finden.

Herstellung: Filmakademie Wien mit Michaela Finis und Martin Monk
Federführung Produktion: Michaela Finis
Regie: Martin Monk
Drehbuch: Martin Monk
Laufzeit: 18 min

Masel Tov Cocktail - Filmstill 1

Masel Tov Cocktail

Zutaten: 1 Jude, 12 Deutsche, 5cl Erinnerungskultur, 3cl Stereotype, 2 TL Patriotismus, 1 TL Israel, 1 Falafel, 5 Stolpersteine, einen Spritzer Antisemitismus. 100 % koscher!

Herstellung: Filmakademie Baden-Württemberg
Federführung Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg
Regie: Arkadij Khaet, Mickey Paatzsch
Drehbuch: Arkadij Khaet, Merle Theresa Kirchhoff
Laufzeit: 30 min

weiterer Nominierter Film der Kategorie Animationsfilm bis 30 Minuten Laufzeit

From my Desert - Filmstill 1

From my Desert

Das Treffen versetzt den jungen Kunstinvestor in Ekstase. Da hängt er, Martin, wunderschön, einnehmend, erregend. Es ist so etwas wie Liebe. Doch: Kann die Beziehung halten?

Herstellung: Veneta Androva
Federführung Produktion: Veneta Androva
Regie: Veneta Androva
Drehbuch: Veneta Androva
Laufzeit: 14 min

weiterer Nominierter Film der Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten Lauzeit

A Demonstration - Filmstill 1

A Demonstration

Ein Monsterfilm ohne Monster. Eine poetische Auseinandersetzung mit den Grenzen des Sehens und mit der Metamorphose der Form.

Herstellung: Video Power mit CaSK Films
Federführung Produktion: Daan Milius, Hans van Hezik, Guillaume Cailleau
Regie: Beny Wagner, Sasha Litvintseva
Drehbuch: Beny Wagner, Sasha Litvintseva
Laufzeit: 25 Minuten

weiterer Nominierter Film der Kategorie Dokumentarfilm bis 30 Minuten Laufzeit

Just a Guy

Drei Frauen erinnern sich an ihre Beziehung mit dem verurteilten Serienkiller Richard Ramirez.

Herstellung: Studio Seufz
Federführung Produktion: Stefan Michel
Regie: Shoko Hara
Drehbuch: Simon Thummet
Laufzeit: 15 min