Štěpán Altrichter - Regisseur und Autor

Stepan Altrichter - Lilie2A PR

Foto: Štěpán Altrichter

Štěpán Altrichter, Jahrgang 1981, ist ein deutsch-tschechischer Regisseur, der in beiden Ländern sehr erfolgreich Spielfilme macht und sich weder von Länder-, noch von Genregrenzen oder der Einteilung in Festival- und Mainstreamkino schrecken lässt – immer auf der Suche nach etwas Neuem, was im Film so noch nicht erzählt wurde.

Altrichter wurde im tschechischen Brno/Brünn geboren und wuchs in Prag und danach in Konstanz auf. Im Anschluss an ein Philosophie- und Psychologie-Studium an der FU in Berlin studierte er an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg Regie. Bereits seine Kurzfilme wie DID MICHAEL KNIGHT END COLD WAR? oder ALEYNA – LITTLE MISS NEUKÖLLN entwickelten sich zu Festivallieblingen und wurden mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter zum Beispiel mit dem Robert Geisendörfer Preis als Bester Deutscher Kinderfilm, einer Einladung nach Clermont Ferrand oder den Berlin Award beim Interfilm Festival.

In seinem Langfilmdebüt SCHMITKE zeichnet Altrichter auf hierzulande ungewöhnliche, fast schon lynchig-absurde Art die tragikomische Charakterstudie eines Windkraft-Ingenieurs im tschechisch-deutschen Grenzgebiet in der mit Preisen ausgezeichneten Darbietung von Peter Kurth. SCHMITKE feierte seine Premiere beim Filmfestival Busan und wurde unter anderem als Bestes Debüt beim renommierten FilmFestivalCottbus, mit dem FIPRESCI Preis der deutschen Filmkritik beim Filmkunstfest in Mecklenburg-Vorpommern und in Tschechien mit dem Preis für das beste Debüt des Jahres ausgezeichnet. Zudem war er für acht Preise des Tschechischen Filmpreises nominiert.

Im Sommer 2020 gehörte sein zweiter Film NATIONALSTRASSE zu denen wenigen Filmen, die trotz weitestgehend geschlossenen Kinos seinen Weg auf die große Leinwand fand, nachdem er sich in Tschechien als großer Erfolg an der Kinokasse erwiesen hatte und von Kritik wie Publikum gefeiert wurde. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš, mit dem er auch gemeinsam das Drehbuch verfasste, und erzählt wie oft in Altrichters Werken von einem ambivalenten Außenseiter, der auf verlorenem Posten gegen die Windmühlen der Gegenwart aber auch gegen sich selbst kämpft – diesmal jedoch mit der politischen Brisanz eines Schlägers, der sich immer weiter radikalisiert und sich extremen Positionen anschließt, während seine Stammkneipe von Immobilienhaien weg-gentrifiziert wird. Das die aktuelle politische Lage sehr treffende Stück fand nicht umsonst auch in Deutschland vor allem im Feuilleton großen Anklang.

Mit hohem cineastischen Anspruch verbindet Altrichter in seinen Filmen eine einzigartige Mischung aus Humor, dunklen Abgründen und der menschlichen Wärme des tschechischen Kinos, verknüpft Tragisches mit Komischen und hat sich, als jemand, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und durch seine persönliche Verwurzelung in zwei zwar regional nah beieinander liegenden, aber im Wesen sehr unterschiedlichen Ländern, einen besonderen Blick auf die Menschen bewahrt.

Štěpán Altrichter arbeitet zurzeit gleich an mehreren Projekten in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Von den in Vorproduktion stehenden Projekten RUNNER und FURIOUS BEAUTY, ersteres in Berlin, zweiteres in Tschechien spielend – und von Peter Rommel und Peter Hartwig in Deutschland koproduziert – über die in Entwicklung stehende Adaption des bekanntesten Romans von Jaroslav Rudiš, dem in Leipzig spielenden ENDE DES PUNKS IN HELSINKI, bis zu den zwei eher an das breite Publikum gewandten Komödien MÄDCHENKLASSE, das autobiographisch von Altrichters eigenen Ankommen in Deutschland handelt, als er 13jährig aus Versehen in eine reine Mädchenklasse gesteckt wurde, und der Hangout-Komödie AN SICH IST DER TSCHECHE SCHULD (AT), in der sich drei Neuköllner Loser gegen das kapitalistische System wenden. Die beiden letzter Stoffe suchen noch nach einer Produktionsfirma.

Altrichters Leidenschaft ist neben dem Film die Musik und die Philosophie, ebenso wie die Geschichte, aber vor allem die Menschen – seine Neugier gilt dem Neuen, dem Nicht-Angepassten, der Gosse, allem, was sich jenseits der Hauptwege abspielt.